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Reichserbküchenmeister von Ellrichshausen-Rothenburg

Blasonierung: Geviert, 1 und 4 fünf mal schräggeteilt Rot Silber, 2 und 3 Silber eine Burg mit zwei Türmen Rot; ein Herzschild Schwarz, in einem Bord Gold ein Reichsapfel Gold; 3 gekrönte Helme, 1 ein mit dem Wappenbild des Herzschildes belegtes achteckiges Helmbrett besteckt mit Pfauenfedernaugen an den Spitzen zwischen eingebogenen Brettseiten, Decken Schwarz Gold, 2 zwischen zwei mit dem Wappenbild des Herzschildes belegten Sturmfahnen ein Steinbock in den Tinkturen wie 1 und 4, goldbewehrt, Decken Rot Silber, 3 zwei mit dem Wappenbild wie 2 und 3 belegte Sturmfahnen.

Wappenberechtigt sind alle Angehörigen des reichsunmittelbaren Hauses der Reichsfreiherren von Ellrichshausen aus dem Hause der Reichserbküchenmeister von Rothenburg.

Sieh auch von Ellrichshausen, Küchenmeister von Gamburg, Küchemeister von Wächetersbach, Küchenmeister von Neuburg, von Seldeneck, von Bebenberg, von Nortenberg und Rothenburg ob der Tauber.

Die Reichserbküchenmeister des Heiligen Römischen Reiches aus dem Hause Rothenburg

Schon an den Höfen der spätrömischen Kaiser gab es „Hofämter“, zu denen auch das Amt des Küchenmeisters zählte. Anders als die Amtsbezeichnung vielleicht vermuten lässt, umfasste dessen Aufgabe aber nicht etwa das Zubereiten der Speisen, sondern vielmehr die umfassende Leitung des kaiserlichen Haushaltes. Diese hohe und einflussreiche Position im engsten Umfeld des römischen Kaisers machten den Küchenmeister zu einer Art Minister. Berühmtheit erlangte der römische Küchenmeister Castulus, der um 286 den Märtyrer-Tod starb und von der katholischen Kirche bis heute als Heiliger verehrt wird. Die wichtigste Stätte seines Gedenkens ist das Münster zu Moosburg bei Landshut, für das Hans Leinberger gegen 1515 den berühmten Castulus-Altar schuf.

Nach dem Untergang des antiken römischen Reiches und den Stürmen der Völkerwanderung griffen die Karolinger im 8. Jh. die Tradition des römischen Reiches auf. In tiefer Hinwendung zum Christentum erwuchs so aus dem antiken römischen Reich das Heilige Römische Reich, das Sacrum Imperium Romanum.  (Der Zusatz "Deutscher Nation" erscheint erst in der Mitte des 15. Jhs. Es sollte damit auf das staatstragende Volk hingewiesen werden). Die damit verbundene Übernahme der antiken Hofämter führte zugleich eine germanische Tradition fort, weil auch die germanischen Königshöfe des Frühmittelalters gleichartige Einrichtungen kannten; so etwa die Höfe der Merowinger und der Karolinger.

Ob das Amt des Küchenmeisters in der Zeit zwischen etwa 800 und 1150 kontinuierlich bestand und mit welchen Aufgaben es verbunden war, kann aus den erhaltenen Quellen nicht eindeutig beantwortet werden. Gegen 1150 erscheint mit Arnold von Rothenburg ein Truchsess am Hofe der Kaiser aus dem Hause der Hohenstaufen. Die Aufgaben eines Truchsess und jene eines Küchenmeisters waren in früherer Zeit nicht voneinander geschieden, gingen vielmehr ineinander über. So ist der Bedeutungsgehalt des Wortes „Truchsess“ in der Forschung umstritten und wird entweder vom althochdeutschen Wort „truht“ (=Schar) mit der Bedeutung „Vorsitzender einer Schar“ abgeleitet oder  als „Speisensetzer“ übersetzt. Letztere Interpretation findet in der „Goldenen Bulle“ aus dem Jahre 1356 überzeugend Deckung. In diesem wichtigsten Reichsgesetz wurde der Erz-Truchsess des Heiligen Römischen Reiches, der Pfalzgraf bei Rhein, verpflichtet, dem Kaiser beim Krönungsmahl die Speisen auf einer silbernen Schüssel zu servieren.

Im Laufe des Hochmittelalters erfolgten zwei wesentliche Entwicklungsschritte in der rechtlichen Ausgestaltung des Amtes des Reichsküchenmeisters. Zum einen richtete König Philipp von Schwaben (1198-1208; Gegenkönig zu Kaiser Otto Ivon) das Reichshofamt als feste Institution ein. In welchem Jahr dies geschah, kann aus den erhaltenen Quellen nicht genau bestimmt werden. Manches spricht für 1204 (Entstehung des Reichsapfels in Köln), vieles für 1206. Zum anderen gelangte das Reichsamt bleibend an das Haus Rothenburg. Die seit dem 13. Jh. bestehende dauerhafte Verbindung des Amtes mit einer bestimmten Familie setzte einen sich im 12. Jh. vollziehenden Wandel im Verständnis von Ämtern und Funktionen voraus. Erloschen die Ämter zuvor in aller Regel mit dem Tode des Inhabers, konnten sie seit dem 12. Jh. allmählich vererbt werden. Aus dem Hofamt des Reichsküchenmeisters entstand so das Hofamt des Reichserbküchenmeisters des Heiligen Römischen Reiches. Magister Coquinae Imperialis, meist aber Magister Aulae Imperialis lauteten seine lateinischen Bezeichnungen.

Für die Deutsche Literaturgeschichte ist die Einrichtung des Reichserbküchenmeisteramtes von immenser Wichtigkeit geworden. Durch den im Nibelungenlied erwähnten Küchenmeister „Rumold“ gelang der Literaturwissenschaft die zeitlichen Zuordnung der Aufzeichnung des so bedeutenden Epos der europäischen Literatur.

Während des Hochmittelalters setzte auch eine Änderung bei den Aufgaben des Reichshofamtes ein. Oblag den Amtsinhabern früher die Leitung des kaiserlichen Haushaltes, verschob sich ihre Aufgabe nun zunehmend auf die Ebene der Repräsentation. Eine sehr wichtige Aufgabe hatten die Reichserbküchenmeister im Krönungsritual wahrzunehmen, wie in den sog. „Ordines", den Regelungen der Krönung, festgehalten wird. Daraus eine Szene. Bei der Krönung ging der Kaiser, umgeben von den höchsten Würdenträgern des Reiches, zu den einzelnen Stationen des Staatsaktes. Wenn die 7 Kurfürsten, welche die Reichserzämter innehatten, nicht selbst tätig wurden, vertraten sie die Inhaber der Reichshofämter. An der Spitze der Formation schritt der Reichserzmarschall, der Herzog von Sachsen, und in seiner Vertretung der Reichserbmarschall, der Reichsgraf von Papenheim, mit dem gezückten Schwert. Ihm folgten 3 Würdenträger. In der Mitte der Reichserztruchsess, der Pfalzgraf bei Rhein, vertreten durch den Reichserbküchenmeister aus dem Hause Rothenburg, der den Reichsapfel auf einem Polster zu tragen hatte. Links von ihm trug der Reichserzschenk, der König von Böhmen, vertreten durch den Reichserbschenk, den Reichsgrafen von Limpurg, die  Reichskrone und rechts trug der Reichserzkämmerer, der Markgraf von Brandenburg, vertreten durch den Reichsfreiherren von Dalberg, das Szepter. Hinter den Dreien ging der Kaiser. Die Positionen des Marschalls, des Küchenmeisters bzw. des Truchsess und des Kaisers blieben immer gleich, jene der beiden anderen konnten wechseln. Als Symbol des gesamten Kosmos und nicht bloß der Welt, musste der Reichsapfel immer in der Mitte getragen werden.

Wie Abbildungen auf Siegeln, Münzen etc. zeigen, hielten schon im antiken Griechenland und in der römischen Kaiserzeit die Herrscher bei Staatsakten eine „Sphaira“ als Hoheitssymbol in Händen. Diese meist aus Gold gefertigten Kugeln ohne Kreuz waren die Vorform des Reichsapfels. Der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches (Sphaira mit Kreuz) entstand gegen 1204 in Köln und wird heute in der Schatzkammer zu Wien aufbewahrt. Im Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein und im Wappen des Hauses Rothenburg scheint der Reichsapfel als Hinweis auf das Amt des Reichserztruchsess bzw. auf das Amt des Reichserbküchenmeisters auf.  

Die Szene aus der Kaiserkrönung und das tiefgehende Symbol des Reichsapfels weisen auf den hohen staatsmetaphysischen Gehalt des Reichserbküchenmeisteramtes hin. Ein Wesenszug der mittelalterlichen Geschichte war der andauernd schwelende Konflikt zwischen den Kaisern und den Päpsten, der im Gegensatz zwischen Romulus und Remus seine vorchristliche Vorform hatte. Sowohl aus handfesten politischen Gründen aber auch aus sehr tiefgehenden religiösen Überzeugungen verstanden sich die Kaiser wie auch die Päpste als Stellvertreter Christi auf Erden. Hierin liegt der tiefere geistige Hintergrund des Investiturstreites. Die Idee, der andere Christus (lat. "alter Christus"), also der zweite Christus zu sein, war für die Zeit des Hochmittelalters ein zentraler Leitgedanke. Um die Stellvertreterrolle des Kaisers sichtbar zu machen, wurde die Darstellung des gesamten Staatswesens den christlichen Vorbildern nachgestaltet. In den wichtigsten Objekten der von den Kaisern in Auftrag gegebenen Kunstwerken, wie z.B. dem Karls-Schrein in Aachen (Kaiser Karl nimmt auf dem Goldschrein den Platz ein, der sonst Christus vorbehalten war), oder auch bei manchen, meist liturgisch gestalteten Staatsakten ist der Anspruch zu erkennen.

Ein in der Forschung bislang zuwenig beachteter Aspekt ist der Einfluss der Gemeinschaft von Christus und den 12 Aposteln auf die Staatsmetaphysik des Hohen Mittelalters. So wie Christus umgab sich auch der Kaiser mit 12 Vertrauten. 3 geistliche Kurfürsten (3 ist die Zahl des Dreieinigen Gottes) und 4 weltliche Kurfürsten (4 ist die Zahl des im Diesseits orientierten, Gott vertrauenden Menschen) wählen den Kaiser. Dieser ist nun der 8te. 8 ist die Zahl der Auferstehung, weil Christus am 8. Tag des Passionsgeschehens auferstand.  Taufkapellen und „staatstragende“ Kirchen wie Aachen oder die von den Habsburgern errichtete Kirche zu Othmarsheim, Elsass, wurden nicht zuletzt deshalb als Oktogon gebaut. Zu den 7 müssen weitere 5 treten, um die Schar der Apostel vollzählig zu machen. Dies waren die Hofämter, und einer davon war der Küchenmeister. Das Festhalten an der traditionellen, jedoch keineswegs bindenden 4-Zahl der Hofämter (vgl. "Quaternionen) musste dabei zugunsten des weitaus höherwertigen Gedankens der Repräsentanz von Christus und den 12 Aposteln zurücktreten. Bei den liturgisch gestalteten Kaiserkrönungen, zu deren wichtigsten Zeremonien das Krönungsmahl zählte, konnte das Symbol deutlich sichtbar werden.

Da der kaiserliche Hof Vorbild für alle geistlichen und weltlichen Fürstenhöfe war, richteten viele Höfe eigene Hofämter und damit auch das Amt des Küchenmeisters ein. Namen oder Funktionsbezeichnungen wie "Küchenmeister", "Truchsess", "Schenk" oder "Kämmerer" gehen fast immer auf solche Amtsträger von Fürsten zurück und dürfen nicht mit den Reichshofämtern verwechselt werden. Hervorstechend sichtbar wurde das Vorbild von „Christus und den 12 Apostel“ in den altösterreichischen Ländern, wo die wichtigsten Adelshäuser eines Erblandes die Ehrenbezeichnung "Apostel-Geschlechter" (nicht zwingend 12) führten.

Als Tilmann Riemenschneider um 1500 lange nach dem Aussterben der Hohenstaufen für die Freie Reichsstadt Rothenburg den unvergleichlichen „Heiligen Blut Altar“ schuf, stellte er -anders als der Name des Altares vielleicht erwarten lässt- nicht eine Kreuzigungsszene dar, sondern das Letzte Abendmahl. Dachten Riemenschneider und zuvor schon der Schöpfer des „Zwölf Boten Altares“ (= „12 Apostel Altar“; Hauptaltar von St. Jakob zu Rothenburg) vielleicht an die von den Hohenstaufen vertretene Staatsauffassung und das damit verbundene Krönungsmahl bzw. an das symbolische Letzte Abendmahl, die sich ja in dem mit Rothenburg verknüpften Reichserbküchenmeisteramt manifestiert hatte ?

Seit König Philipp das Reichserbküchenmeisteramt um 1206 eingerichtet hatte, lag es in den Händen des früher weit verzweigten Hauses Rothenburg. Schon in der 2. Hälfte des 12. Jhs. erschienen Mitglieder des Hauses in kaiserlichen Diensten im Weichbild von Rothenburg, nachdem die Hohenstaufen gegen 1115 die Grafen von Comburg-Rothenburg beerbt hatten und Rothenburg zu einem Herrschaftsmittelpunkt auszubauen begannen. Vom Hause Rothenburg sind mehrere Zweige bekannt, wobei die detailgenauen Zusammenhänge heute nur sehr schwer erforschbar sind. Es waren dies die von Nordenberg, ältere und jüngere Linie (früher meist „Nortenberg“), die von Seldeneck, die von Ellrichshausen, die von Bebenburg die von Rothenburg, die von Weiltingen, die von Hornburg, und andere mehr. Gemeinsam sind allen Zweigen die Besitzstände in den selben Gegenden (Schwerpunkt südlich von Würzburg bis Dinkelsbühel), die selben Vornamen bei Männern und Frauen in den selben und aufeinander folgenden Generationsebenen und die gleichen, voneinander nach heraldischen Gesetzmäßigkeiten leicht abgewandelten und so die Zusammenhänge darstellenden Wappen. Der letzte heute noch lebende Zweig der Reichserbküchenmeister des Hauses Rothenburg sind die ehemals reichsunmittelbaren Reichsfreiherren von Ellrichshausen.

Mächtigster und weitaus bedeutendster Zweig des Hauses Rothenburg waren die 1144 urkundlich erstmals erwähnten Herren von Nordenberg. In der heutigen Forschung wird zwischen einem älteren bis um 1237 auf dem Nordenberg wirkenden Zweig und einem jüngeren, der bis 1383 die Burg besaß, unterschieden. Neben dem Reichsamt des Küchenmeisters hatten einige Mitglieder des Hauses auch die Funktion eines „scultetus“ von Rothenburg inne, waren also die mit der Verwaltung der Stadt betrauten kaiserlichen Beamte.

Die hervorstechendste Persönlichkeit des Hauses Nordenberg aus dem jüngeren Zweig war der im Jahre 1276 verstorbene Reichserbküchenmeister Lupold von Nordenberg. Große politische Bedeutung erlangte er durch seine engen Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und nach dem dramatischen Untergang der Hohenstaufen durch seine Unterstützung für Rudolf I. von Habsburg bei der Wahl zum Deutschen König (1273). Lupolds Interesse galt jedoch nicht alleine der Politik, sondern im hohen Maße auch dem Geistesleben seiner Zeit. Seine enge Verbindung zu Albertus Magnus, dem bedeutendsten Gelehrten des 13. Jhs. und Lehrer des Thomas von Aquin, ist dafür ein beredtes Zeugnis. Als Lupold von Nordenberg um 1256 den Amtssitz der Reichserbküchenmeister in Rothenburg, die „curia“, das Schloss in der Stadt, in ein Dominikanerinnen-Kloster umwandelte, weihte es Albertus Magnus ein. Der Überlieferung zufolge soll Albertus Magnus auch das von Lupold zur Aufbewahrung der Heiligen-Blut-Reliquie um 1250 gestiftete, romanische Kreuz geweiht haben. Als Nachlassverwalter der hohenstaufischen Güter in Rothenburg war wohl auch die Heiligen-Blut-Reliquie an Lupold gekommen, die später das religiöse Kernstück von Tilmann Riemenschneiders Heiligen-Blut-Altar zu Rothenburg bilden sollte. Im Kreuzgang des Rothenburger Dominikanerinnen-Klosters ist der aus der Zeit um 1340 stammende Grabstein des Reichserbküchenmeisters Lupold zu sehen.

Die heute noch beeindruckenden Reste der Burg in Nordenberg (Gemeinde Windelsbach) –vergleichbar den großen Reichsburgen des Hochmittelalters- geben Zeugnis für den Status der Herrn von Nordenberg. Als älteste Erwähnung der Burg wird eine Urkunde von Kaiser Lothar II. aus dem Jahre 1128 angesehen. Höchst ungewöhnlich und für die Zeitgenossen wohl zutiefst beeindruckend war der Untergang der Festung als sie im Jahre 1408 von den Kellergewölben bis zum Dach mit Pulver gefüllt und gesprengt wurde. Schon zuvor, im Jahre 1383, hatten die Herren von Nordenberg ihre Burg aufgrund großer wirtschaftlicher Probleme an die Freie Reichsstadt Rothenburg verkauft. Im 15. Jh. verlieren sich die Spuren des Hauses Nordenberg.

Ihre Erben im Amt des Reichserbküchenmeisters wurden die ihnen stammverwandten Herren von Seldeneck. Dieser Zweig des Hauses Rothenburg benannte sich nach der Burg Seldeneck (Gemeinde Creglingen) über Bettwar im Tal der Tauber. Die mächtige Festung war wohl in staufischer Zeit im 12. Jh. entstanden, gegen 1400 an die Freie Reichsstadt Rothenburg gekommen und kurze Zeit später zerstört worden. Aus der Mitte des 16. Jhs. erlangte Philipp von Seldeneck als Verfasser kriegswissenschaftlicher Abhandlungen Berühmtheit. Gegen 1580 starben die Herren von Seldeneck aus. Die heute lebenden Freiherren von Seldeneck führen den uralten Namen und das Wappen fort, sind aber eine Nebenlinie des Hauses Baden und gehen nicht auf die Reichserbküchenmeister zurück.  

Ein weiterer, Ende des Mittelalters ausgestorbener Zweig des Hauses Rothenburg waren die Herren von Bebenburg (Bemberg, Gemeinde Rot am See). So wie andere Zweige auch übten sie das Reichserbamt des Küchenmeisters jedoch nie aus. Die bedeutendste Persönlichkeit des Zweiges war Lupold von Bebenburg (~1297 – 1363), Bischof von Bamberg und Verfasser wichtiger rechtswissenschaftlicher Werke zum Reichsrecht. Als einer der bedeutendsten Juristen seiner Zeit hatte er wesentlichen Einfluss auf die rechtliche Ausgestaltung der „Goldenen Bulle“. Das unter Kaiser Karl Ivon im Jahre 1356 ergangene Verfassungsgesetz gehörte zum Fundament des Verfassungsrechtes des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Ende im Jahre 1806. Vielleicht geht die mehrfache Erwähnung der Reichserbküchenmeister in dem Gesetz –und zwar als  Zweig Nordenberg- Rothenburg- auf die Mitarbeit des Bischofs Lupold zurück.

Letzter heute noch lebender Zweig des Hauses Rothenburg sind die Reichsfreiherren von Ellrichshausen. Der Name geht auf die Ortschaft Ellrichshausen (Gemeinde Satteldorf) zurück, das neben einer Reihe von umliegenden Orten, Burgen usw. im Hoch- und Spätmittelalter zum Besitzstand der verschiedenen Zweige des Hauses Rothenburg zählte. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörten die Herren von Ellrichshausen der reichsunmittelbaren Ritterschaft an.

Viele Mitglieder des Hauses Ellrichshausen erreichten in staatlichen und kirchlichen Diensten hohe und höchste Funktionen; so im Hochstift Würzburg, im Reichsstift Feuchtwangen, in den Klöstern Heilsbronn, Neresheim, Gnadenthal und nicht zuletzt wegen der familiären Zusammenhänge im Dominikanerinnen Kloster zu Rothenburg. Politische Bedeutung von europäischem Rang erlangten Conrad (+1449) und Ludwig von Ellrichshausen (+1467; in alter Schreibweise auch " Erlichshausen " ), die zwischen 1441 und 1467 hintereinander in einer sehr bewegten Zeit als Hochmeister des Deutschen Ordens und Fürsten in Preußen die Geschicke des Ordens lenkten. Im Kloster Heilsbronn erinnert ein kunsthistorisch sehr bedeutsames Grabmal an Wilhelm von Ellrichshausen (+1480). Jörg von Ellrichshausen (~+1570) machte sich wegen seines sozialen Engagements in der Zeit der Bauernkriege einen großen Namen. Bis um etwa 1600 lag der Schwerpunkt der Besitzungen des Hauses Ellrichshausen zischen Rothenburg und Crailsheim, später war Schloß Assumstadt bei Züttlingen der Lebensmittelpunkt des Hauses.

An die über Jahrhunderte bestehende Beziehung zum Hause Habsburg konnte Carl Reinhard von Ellrichshausen (+1779) anknüpfen als er Mitte des 18. Jhs. an den Kaiserhof zu Wien ging. Unter Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. wurde er Generalfeldzeugmeister, der bei der Kaiserin und dem Kaisers großes Vertrauen genoß. Joseph II. schrieb für ihn sogar eigenhändig eine ehrenvolle und persönlich gehaltene Totenrede. Er ist der Erbauer des Schlosses Assumstadt, das wegen seiner stark am österreichischen Barock orientierten Gestaltung eine kunsthistorische Besonderheit in Franken darstellt. Große wissenschaftliche Leistungen mit zahlreichen Publikationen und empirischen Forschungsergebnissen erbrachte Wilhelm Julius Ludwig von Ellrichshausen (+1832) in seiner Funktion als Direktor der landwirtschaftlichen Universität Hohenheim (Stuttgart). Während des 2. Weltkrieges gingen das jahrhundertealte Familienzentrum Schloß Assumstadt und die gesamten Besitzungen in einer dramatischen Entwicklung verloren. Als Folge davon verpflanzte Dr. Conrad von Ellrichshausen, langjähriger österreichischer Konsul in Spanien, die Familie nach Österreich, wo die Reichsfreiherren von Ellrichshausen und letzten  Reichserbküchenmeister von Rothenburg bis heute leben.

Autor: Egon RKM von Ellrichshausen-Rothenburg