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Lemmel

Lemlein

Lämblein

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Historische Familienwappen in Franken von Eugen Schöler

Die meisten Lemlein/Lemmel haben ein "redendes" Wappen mit einem Lämmlein, das ihren Familiennamen darstellt. Wie alt dieses Familienwappen ist, kann nicht mehr festgestellt werden; angeblich soll es bereits für das Jahr 1321 bezeugt sein. Aus dieser Zeit gab es Holztafeln mit aufgemalten Wappen, die in Nürnberg und Bamberg in Kirchen als Totengedenk-Schilde aufgehängt wurden. Auch für die Lemlein sind solche Wappenschilde bezeugt, sie wurden aber bei späteren Kirchenrestaurierungen zerstört. Für die Totenschilde der Lemlein ist leider nichts anderes bekannt, als daß es sie gegeben hat. Welches Wappen sie zeigten, wird nicht berichtet.

Nun gibt es in Nürnberg etliche Handschriften mit genealogischen Nachrichten über die Nürnberger Familien. Sie entstanden um oder nach 1500, als die Totenschilde in den Kirchen noch hingen. Für die Lemlein wird in den Nürnberger Genealogien ausschließlich das Lamm-Wappen angegeben, so daß sicher ist, daß auch die Totenschilde der Lemlein das Lamm-Wappen gezeigt haben müssen. Abweichungen wären in den Genealogien sicher erwähnt worden.

überraschenderweise aber enthält das älteste bekannte Nürnberger Lemlein-Siegel von 1341 einen Wolf. Ein Mann namens Lämmlein, der einen Wolf im Wappen führt, ist ungefähr das genaue Gegenteil des sprichwörtlichen "Wolfes im Schafspelz". Vermutlich wollte sich der Träger dieses Siegels, Seifrid Lemlin, von der übrigen Familie unterscheiden; daß dieses Wolf-Wappen das Wappen der Familie seiner Frau ist, wäre eine mögliche Erklärung. Aber auch ein Besitz könnte das Wolf-Wappen erklären, denn für spätere Lemlein ist Besitz am "Wolfstein und in "Lupburg (lateinisch lupus = Wolf) erwiesen; dort könnte möglicherweise schon Seifrid Lemlin vor 1341 Besitz gehabt haben, der ihm den Anlass für sein Wolfs-Wappen gab.


Seifrid Lemlin, 1341 in Nürnberg

Um 1440 haben die Brüder Stephan und Paul Lemel/Lämbel von Reichertshofen ebenfalls einen Wolf im Siegel (6,7). Sie nennen sich nach ihrem Lehen Reichertshofen bei Neumarkt. Aufgrund ihres Wolf-Wappens muss man sie als Enkel des Nürnberger Seifrid Lemlin ansehen. In Stephan Lämbels Wappen könnte man freilich das Tier auch als einen Fuchs ansehen; jedoch ähnelt dieses Wappentier stark dem der Familie Wolfersdorf, deren Wappentier mit Sicherheit ein Wolf ist.

Der letzte der Reichertshofener Lemmel, der mit dem Wolfs-Wappen siegelt, ist Jacob Lemel/Lembl (7a), der bis 1515 Landrichter zu Kelheim ist.


Jacob Lemel/Lämbl, Landrichter zu Kelheim, um 1510

Bei dem von Nürnberg nach Bamberg abgewanderten Zweig der Lemlein sind etliche Siegel mit Lamm-Wappen erhalten. 1406 siegeln in Bamberg die drei Brüder Hans, Peter und Heinz Lemlein; Peter und Heinz haben einfache Lamm-Wappen, während Hans einen Helm mit Helmschmuck in das Siegel aufgenommen hat. In diesen drei Siegeln steht das Lamm auf einem Dreiberg. Dieser Dreiberg unterscheidet dieses Wappen von dem der Löffelholz, einer anderen alten fränkischen Familie, deren Wappen ein Lamm ohne einen solchen Dreiberg zeigt.

Das Merkmal des Dreiberges gilt aber nur für diesen Zweig der Familie Lemlein/Lemmel. Zu dieser Zeit war ein Wappen keineswegs für eine ganze Familie unverändert, sondern jeder Wappeninhaber hatte individuelle Unterschiede in der Siegelzeichnung, die ja seine ganz persönliche Kennzeichnung war. Erst wesentlich später wurden die Familienwappen in Wappenbriefen genau festgelegt. Um 1400 können verschiedene Familienzweige eigene abweichende Wappenvarianten haben

Im Jahre 1416 siegelt Mathias Lemmel, der der Schatzmeister des deutschen Königs war und in Prag, Breslau und Ofen (Budapest) lebte, mit einem Lamm-Wappen, in dem das Lamm schräg aufsteigend erscheint. Dabei muß freilich vermerkt werden, daß bei der Kleinheit des Siegels das dargestellte Tier nicht gut zu erkennen ist. Es könnte auch ein anderes vierbeiniges Tier sein. Nun ist aber belegt, daß Mathias Lemmels Haus in Prag mit einem Lamm bemalt war ("domus ubi agnus est depictus"). Man kann also annehmen, daß das Lamm an der Hauswand sein Wappen war. Auch das Prager Haus seines Bruders, des Kaufmanns Nikolaus Lemmel, hieß "Zum Lamm" ("ad agno").


Matthias Lemmel aus Prag, 1416 in Avignon

Der Sohn des Schatzmeisters ist Hanns Lemmel in Hermannstadt in Siebenbürgen. Dieser Hans Lemmel war auch Münzmeister, und auf seine Goldgulden von 1438 prägte er ein winziges Lamm als Zeichen des Münzmeisters.

Für den Nürnberger Kaufmann und Ratsherrn Hans Lemlein, der 1473 starb, wird in Siebmachers Wappenwerk ein Lamm-Wappen mit Helmschmuck angegeben, ähnlich dem seines gleichnamigen Vaters. Ein Original-Wappen ist für den Nürnberger Hans Lemlein bisher nicht bekannt geworden. Das Lamm-Wappen ohne Helmschmuck findet sich für seine Tochter Ursula in der Nürnberger Lorenzkirche am gotischen Sakramentshaus, das von ihrem Mann, Hans Imhoff, 1496 gestiftet und bei dem Bildhauer Adam Kraft in Auftrag gegeben wurde.


Hans Lemlein, Ratsherr und Bürgermeister in Nürnberg, gestorben 1473

Die beiden Vettern Michel und Caspar Lemlein in Nürnberg siegeln 1497 mit einem einfachen Wappen ohne Helm; aber 1508 siegeln die gleichen Vettern mit prächtigen Renaissance-Wappen mit Helmschmuck. Hier erkennt man gut den Stilwandel und den erwachenden Bürger- und Patrizierstolz.


Siegel des Michel und des Caspar Lemlein, 1508 zu Nürnberg

Naturgemäß zeigen all diese Siegel keine Farben. Dennoch sind die Farben des Lemlein-Wappens erhalten, und zwar in erster Linie aus Gemälden und Decken der Familie Imhoff im Germanischen Nationalmuseum, auf denen die Wappen der Stifter und ihrer Vorfahren angegeben sind. (Die Familien Imhoff und Lemlein waren in Nürnberg mehrfach verschwägert.) Hier zeigt das Lemlein-Wappen ein weißes Lamm vor rotem Grund auf einem goldenen Dreiberg. Der Wappenentwurf ist hier der gleiche wie bei dem Wappen der Ursula Imhof geborenen Lemlein auf dem gotischen Sakramentshaus.

Von den weiteren Nachkommen, insbesondere den zahlreichen Nachkommen in Chemnitz und im sächsischen Erzgebirge, sind Siegel nur in wenigen Einzelfällen bekannt. Der Magister Petrus Lemmel in Schneeberg siegelt 1614 mit einem Wappen, das nur noch schlecht zu erkennen ist, aber wohl als einfaches Lamm-Wappen gedeutet werden kann. Da der untere Teil des Siegels abgebrochen ist, kann man nicht erkennen, ob das Wappen den Dreiberg enthielt oder nicht.

Der 1644 in Neustadt bei Chemnitz geborene und in Neukirchen getaufte Johann Lemmel/Lämmel, General-Kriegszahlmeister des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen, ließ sich um 1690 sein Wappen an einer gusseisernen Ofentür anbringen, die sich jetzt im Dresdener Kunstgewerbe-Museum im Schloss Pilnitz befindet. Das Wappen zeigt in der unteren Hälfte ein Lamm, ähnlich dem der Nürnberger/Bamberger Lemlein-Wappen, und in der oberen Hälfte einen undeutlichen belaubten Zweig, der sonst in keinem Lemmel-Wappen vorkommt.


Johann Lämmel, sächsisch-polnischer General-Kriegszahlmeister, Dresden um 1700

Der von Schneeberg im Erzgebirge nach Wien abgewanderte Kaufmann und Ratsherr Hans Lemmel/Lämmel/Lämbl hat 1592 im Wappen ein Osterlamm mit Kreuzstab auf einem Dreiberg(?) mit Flug und Stern als Helmzier. Die Prachtentfaltung dieser Zeit führte zur fantasievollen Ausschmückung des ursprünglich einfachen Lamm-Wappens.

Ein ähnliches Siegel - ebenfalls mit einem Flug und Stern als Helmzier - hat 1737 sein mutmaßlicher Nachkomme Georg Jakob Lembl, klösterlicher Gutsverwalter in der Oberpfalz. Inzwischen kam eine Helmkrone dazu. Der gleiche Georg Jakob Lembl führt später ein anderes barockes Siegel an mit einem Osterlamm in ovalem Schild unter einer Blattkrone.

Überraschenderweise findet sich die gleiche Helmzier - Flug und Stern - im Lamm-Wappen des jüdischen Großkaufmannes Simon Lämel aus Prag als dieser 1812 in Wien geadelt wird. Man könnte vermuten, daß diese jüdische Familie Lämel/Lämmel/Lemmel ebenfalls zu den Nachkommen der Nürnberger Lemlein/Lemmel gehörten, ggf. aus einer Mischehe. Wahrscheinlich aber ist in der jüdischen Familie der gleiche Familienname unabhängig entstanden, und die ähnlichkeit der Wappen wäre dann dadurch zu erklären, daß Simon Lämel das Wappen der christlichen Familie gleichen Namens imitierte.

Die Familie der Ritter Lemmel von Seedorf führt im 19. Jahrhundert ein gemehrtes Wappen, das in zwei Versionen von 1856 und von 1896 bekannt ist. Das Lamm kommt nur noch in einem von mehreren Teilfeldern vor, und zwar als Osterlamm mit einer Kreuzfahne. Der Stammvater dieser Familie lebte um 1700 in der Oberpfalz, wo er wahrscheinlich mit dem Gutsverwalter Georg Jakob Lembl verwandt war; er stammt also wohl auch von dem Wiener Ratsherrn Hans Lämmel ab, von dessen Wappen sich die Flügel des Helmschmucks noch im älteren Wappen der Lemmel von Seedorf erhalten haben.

Die letztgenannten Wappen stammten von Nachkommen der erzgebirgischen Lemmel. Von den Nachkommen der in Franken verbliebenen Lemlein-Nachkommen ist nur ein Siegel bekannt geworden. Es ist das in das Papier einer Urkunde eingedrückte Siegel des Hans Lemblein zu Viereth bei Bamberg von 1630. Es zeigt ein schreitendes Osterlamm mit Heiligenschein und einem Kreuzstab, an dem ein Fähnchen hängt. Der Kopf des Lammes ist kaum zu erkennen.


Hans Lemblein zu Viereth bei Bamberg, 1630

Das Wappen Lemmel kann leicht mit dem der Nürnberger Löffelholz verwechselt werden!