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von Wrede


Quelle: Aschaffenburger Wappenbuch

Weitere Info:
Historische Familienwappen in Franken von Eugen Schöler


Quelle: Gerd Zimmermann: Altfränkische Bilder und Wappenkalender, 77. Jg, 1978, S. 9

An der Feldherrenhalle in München steht auf hohem Podest, von Ludwig Schwanthaler in Bronze gegossen, das Standbild des Fürsten Wrede. Geboren am 29.April 1767 als 13. Kind eines bürgerlichen kurpfälzischen Beamten war Carl Philipp Fürst von Wrede ein außerordentlicher sozialer "Aufsteiger". Der Vater wurde erst am 17.Mai 1790 geadelt und am 12.3.1791 kurbayerischer Reichsfreiherr. Die militärische Laufbahn des Sohnes begann nach dem Studium von Jura und Forstwissenschaften mit Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges im Jahr 1792 als pfalzbayerischer Beobachter im Hauptquartier des österreichischen Feldzeugmeisters Fürst von Hohenlohe. Seine militärische Begabung wurde schnell erkannt und er auf Empfehlung 1793 zum Oberlandkommisär ernannt. Als solcher hatte er für die Unterkunft der Truppe zu sorgen. Am 18.6.1794 wurde er Titularoberst. Er heiratete am 18.3.1795 Gräfin Sophie von Wieser-Sigelsbach. Nach dem Frieden von Campoformio erwarb er durch Kauf die Oberforstmeisterstelle in Rheinpfalz. Kurfürst Karl Theodor legte auch die Obristengage bei. Für seine guten Dienste im Krieg wurde er 1798 Oberkriegskommisär für die Pfalz. Dem neuen Kurfürsten Maximilian Joseph machte er im Juli 1799 umfassende Vorschläge zur Umwandlung des Landsturmes in eine festgefügte Truppe. Mit der so entstandenen Truppe leistete er im Zweiten Koalitionskrieg wesentliche militärische Beiträge in der Pfalz, was ihm am 10.12.1799 das Militärehrenzeichen eintrug. Im April 1800 wurde er Brigadekommandeur, am 14: Mai 1800 außer der Reihe Generalmajor, am 2.10.1804 Generalleutnant.

Mit dem streng geheimen Bogenhausener Vertrag vom 25.8.1805 schlug sich Bayern im Dritten Koalitionskrieg an die Seite Frankreichs. Wrede übernahm erstmals nach einer Verwundung seines Vorgesetzen Deroy am 2.11.1805 den Oberbefehl über die bayerischen Truppen. Für die Dauer der Schlacht von Austerlitz deckte er Napoleon selbständig operierend gegen den herannahenden Erzherzog Ferdinand. Am 1.3.1806 erhielt er das Großkreuz des neugestifteten Militär-Max-Joseph-Ordens. An der Teilnahme an einem wesentlichen Teil des Krieges Frankreichs gegen Preußen und Rußland war er zunächst durch Krankheit verhindert. Nach Kriegsende wurde seine Stellung in der bayerischen Monarchie durch Ernennung zum außerordentlichen Geheimen Rat gefestigt.

Im Krieg gegen österreich 1809 hatte Wrede außer an den Gefechten gegen die österreichische Hauptarmee wesentlichen Anteil an den erfolgreichen Kämpfen in Tirol. In der Schlacht bei Wagram erhielt er schließlich einen Streifschuß durch eine Kanonenkugel an der rechten Brustseite und mußte vom Schlachtfeld getragen werden. Für seinen Beitrag an dieser Schlacht wurde Wrede von Napoleon zum Compte de l'Empire ernannt. Dem Familienwappen wurde das napoleonische Schwert beigegeben.

Im Rußlandfeldzug kommandierte Wrede zunächst die 20. Division. Die Bayern wurden von Napoleon im Raum Polozk eingesetzt und kämpften sehr erfolgreich. Mit der Verwundung am 19.August 1812 und dem Tod Deroys übernahm Wrede endgültig das Oberkommando über alle bayerischen Truppen. Den Rückzug aus Rußland konnte Wrede mit einer der wenigen noch intakten Truppenteile beginnen, wobei er sich weitgehend aus der französischen Kommandostruktur löste. Am 9.12.1812 mußten die Bayern die Nachhut Napoleons übernehmen und waren heftigsten Kämpfen ausgesetzt. Schließlich mußten sich die Bayern noch durch einen russischen Sperriegel nach Wilna durchkämpfen. In Wilna löste sich die Einheit auf. Wrede konnte noch in der Nacht wieder 300 Mann und etwa 30 Reiter seiner zerstreuten Truppe um sich sammeln und den Rückzug fortsetzen. Die Schar wurde fast völlig aufgerieben. Mit Etappentruppen konnte er sich reorganisieren und führte den Rest im Februar 1813 nach Bayern zurück.

Kurz vor der Völkerschlacht von Leipzig wechselte das Königreich Bayern in tiefster Sorge um seine politische Selbständigkeit die Seiten. Das bayerische Heer unter Wrede wurde direkt über Würzburg nach Hanau dirigiert, wo es Napoleon abfangen sollte. Bei der Schlacht von Hanau wurde Wrede am 31.10.1813 durch einen Bauchschuß verletzt.

Nach seiner Genesung nahm er sehr aktiv am Feldzug gegen Frankreich im Jahr 1814 teil. Seine Truppen trugen mit die Hauptlast an den Kämpfen. Am 7.3.1814 wurde er dafür zum Feldmarschall erhoben. Am 9.6.1814 folgte die Fürstenwürde. Als Dotation erhielt er am 24.5.1815 Ellingen (ehemalige Deutschordenskomturei) als Thron- und Mannlehen unter bayerischer Hoheit. Es wurde sein Lieblingssitz. Wrede hatte Bayern am Wiener Kongress zu vertreten. Als Napoleon von Elba aufbrach, zog auch Wrede sofort erneut ins Feld, kam aber nicht nennenswert zum Einsatz. Blücher sandte Wrede, als dieser an dessen Seite anrückte, folgenden ehrenden Brief: "Da ich si uf min linken Flügell weiß, so bin ich um meine Flanke unbesorgt, jren siegreichen Degen wird der Feind wohl wieder Empfinden."

Nach dem Krieg bis zu seinem Lebensende blieb Wrede Oberkommandierender. Als treuer Freund des Kronprinzen Ludwig hatte er Anteil am Sturz des Grafen Montgelas und drückte in der Folgezeit der ersten bayerischen Verfassung als Monarchist seinen Stempel auf. Wrede hatte in den Folgejahren den Vorsitz der ersten Kammer, der Kammer der Reichsräte. Der neue König Ludwig I. setzte Wrede gegen dessen überzeugung als Gesandten in Rußland ein. Wrede reiste also nach Petersburg, um die bayerischen Interessen an der Pfalz mit Hilfe des Zaren durchzusetzen. Er blieb erfolglos. Einzig ein gigantischer Kristallüster für sein Schloß in Ellingen wurde ihm als Geschenk des Zaren zuteil. Im Jahr 1832 wurde er noch einmal nach dem Hambacher Fest mit einem starken Truppenkontingent "zur Beruhigung" in die Pfalz entsandt. Am 7.5.1837 starb seine Gattin in Ellingen, er selbst am 12.12.1838. König Ludwig ehrte seinen Tod mit einem Gedicht.

Stammwappen Wrede